Gennaro Marfucci und Rudolf Degener, RGF-Consulting-Team informieren zu FOGRA51/52
 
11 NOV 2015
Gennaro Marfucci 0 Kommentare
 

Gedruckt wie gefordert oder wie gewünscht

 

Die Vorteile der neuen Norm ISO 12647‐2:2013 zur Prozesskontrolle im Offsetdruck 

Seit dem 30. September 2015 sind die neuen Druckbedingungen FOGRA51 und FOGRA52 mit den dazugehörigen ICC-Profilen verfügbar (www.eci.org). Die Consultants im RGF informieren über die Vorteile und Nutzen des neuen Standards.

Was wird ersetzt?
Die wesentlichen Unterschiede zu den bisherigen Druckbedingungen FOGRA39 und FOGRA47:
- Lab-Werte für Papier und Sollfärbung wurden der Realität angepasst
- Tonwertzunahmen (TWZ) sind jetzt für CMYK identisch, FM-Raster ist definiert
- Messlichtart M1 für trockene Bogen und Proofs
- Beim Auflagendruck keine Messlichtart M1, nur M2 bzw. M3.
- DeltaE2000 ist informativ aufgenommen

Für den Bogenoffsetdruck auf gestrichenem Bilderdruckpapier (PS1) gilt: 
FOGRA51 mit PSOcoated_v3.icc ersetzt FOGRA39 mit ISOcoated_v2_eci.icc und ISOcoated_v2_300_eci.icc

Für den Bogenoffsetdruck auf ungestrichenem Papier (PS5) gilt:
FOGRA52 mit PSOuncoated_v3_FOGRA52.icc ergänzt FOGRA47 mit PSO_Uncoated_ISO12647_eci.icc

Zusätzlich zu den beiden neuen ICC-Profilen PSOcoated_v3.icc und PSOuncoated_v3_FOGRA52.icc werden zwei DeviceLink-Profile zum Download angeboten. Die beiden DeviceLink-Profile ermöglichen eine sichere Konvertierung von ISOcoated_v2_300_eci.icc (FOGRA39) nach PSOcoated_v3.icc (FOGRA51) und umgekehrt.

Die Verbesserungen in der Praxis
Die Arbeitsmittel für den standardisierten Offsetdruck nach ISO 12647-2:2013 sind praxisreif und werden zur Anwendung empfohlen. Die Revision bringt für die praktische Anwendung folgende Verbesserungen mit: 

- Neue Tonwertkurven, orientiert an linearer Plattenkopie (CtP)
- Acht Papierkategorien decken den Markt sehr gut ab – bisherige 5 Papiertypen waren lückenhaft
- Anpassung der Papierfärbungen
- Messtechnik M0, M1 (should) – DeltaE76 (normativ), DeltaE2000 (informativ)
- Behandlung von Graureproduktion, Graubalance (informativ)
- Nur noch filmlose Arbeitsabläufe definiert (CtP)

Durch das Zusammenspiel der neuen Druckbedingungen mit Farbmessung, Normlicht und Prüfdruck (Proof) ergibt sich eine insgesamt deutlich verbesserte Stimmigkeit, wodurch die Produktionssicherheit erhöht wird. Zum Beispiel wird eine einwandfreie visuelle Proof-zu-Druck-Übereinstimmung erreicht.

Neben Upgrades beim Normlicht, Messtechnik, Proof und Änderungen bei den Tonwertzuwachskurven in RIPs, steht insbesondere die sichere Konvertierung von Daten zwischen alten und neuen Standards im Vordergrund. So sollte nicht nur der Offset- und Digitaldruckdienstleister sich auf die technischen Veränderungen einstellen – sondern auch der Grafiker, Reinzeichner, Bildbearbeiter, Medienproduktioner, Kundenberater, Printbuyer und Marketer – denn für erfolgreiche Printprodukte sollten die Farben und Bilder bestehender Medien an die neuen Druckbedingungen angepasst werden. Schließlich sollen die Farben heute und morgen übereinstimmen.

Der sichere Umgang mit Farbmanagement in Layout- und PrePress-Anwendungen, die medienneutrale Datenverarbeitung und die DeviceLink-Datenoptimierung sind unumgänglich, ebenso wie die Hardware- und Software-Upgrades.

Auch Farbreferenzen, zum Beispiel aus Corporate-Design-Manuals, die nach FOGRA39/ FOGRA47 definiert und produziert wurden, sollten bei der Umstellung aufFOGRA51/FOGRA52 aktualisiert werden.

In Agenturen sollte der CMYK-Workflow überdacht werden – also weg vom ISOcoated_v2_eci Workflow mit Early Binding und PDF/X-3. Die Alternative gibt es schon länger: Late Binding und PDF/X-4. Eine Umstellung ist ab sofort sinnvoll – so können die Layouts verfahrensunabhängig angelegt werden.

Den Farbraum vermessen
Color Management: Damit die Farbe im Druckprodukt präzise gesetzt ist, kann für Agenturen die Arbeit mit Farbservern und Device-Link-Profilen nützlich sein. Artikel im Magazin 4C vom 30.01.2015:
http://www.4-c.at/stories/artikel/aid/25920/Color_Management/Den_Farbraum_vermessen?af=Ressort

Bedeutung für den Digitaldruck 
Digitaldruckanwender und -dienstleister werden sich über den neuen Standard freuen, weil viele „blaue“ Papiere für den Digitaldruck mit optischen Aufhellern von dem neuen Standard erfasst werden.

Aber auch wenn die neue Papierfärbung in den neuen FOGRA51/FOGRA52 Charakterisierungsdaten wesentlich näher an der gängigen Praxis ist und somit viele aktuelle LFP-und Laserdruck Papiere wesentlich besser verifizierbar zu matchen sind, ist doch der Gesamtfarbauftrag der neuen ICC Profile zu stark auf den Offsetdruck ausgelegt und die Bedeutung als Austauschfarbraum für alternative Druckbedingungen eher eingeschränkt bzw. jetzt in Frage gestellt

Um hier zukünftig farbkräftig- und druckprozessunabhängig digital produzieren zu können, ist ein medienneutrales Arbeiten schon in der Gestaltungsphase unabdingbar. Hier kommen, speziell für alle im Digitalen Produktionsdruck engagierten Dienstleister, in naher Zukunft viele beratungsintensive Gespräche hinzu. Die RGF Consultants sind hier die Ansprechpartner. Zusammen mit Ihnen erarbeiten wir hier neue Konzepte um die Möglichkeiten ihrer Digitaldrucktechnik auszunutzen und das bei voller Wiederholbar- und Reproduzierbarkeit.

Zusammenfassend
Wer ist von den Veränderungen betroffen?
- Alle Teilnehmer am Druckprozess – auch Agenturen!

Weil es in der Farbkommunikation starke Veränderungen geben wird. Sowohl in Print- als auch in Non-Print-Medien, wie z.B. Inhalte, die in PDFs über Apps auf mobilen Endgeräten betrachtet werden, werden alte und neue Farbreferenzen und CMYK-Bilddaten unterschiedlich eingesetzt. 

Was ist für den Anwender zu tun?
Informieren und Weiterbilden
- Aktuelle Hard- / Software und PDF/X-Workflowstrategien nutzen
- Late Binding Konvertierung mit PDF/X-4 als Workflowstrategie
- Upgrades bei Werkzeugen wie Normlicht, Messtechnik, Proof (Papier, Software und ggf. Drucker)
- Tonwertzuwachskurven in RIPs anpassen 
- Die Datenkonvertierung zwischen den alten und neuen Standards sicher durchführen

Veränderungen, Investitionen und Chancen
- In ISO 3664:2009 konformes Normlicht investieren
- In ISO 13655 konforme Messtechnik investieren
- Proofhardware/-software aktualisieren
- Neue Farbreferenzen nach FOGRA51 und FOGRA52 nutzen
- Daten- und PDF-Workflowstrategien überdenken und verändern
- DeviceLink-Technologie einsetzen
- Die Veränderungen als Chance nutzen!!

Das RGF Consulting Team klärt auf und hilft bei der Umsetzung

 
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Tags:    Farbmanagement   |  News   |  Proofing   |  Standardisierung PSD/PSO/ISO
 

Gennaro Marfucci

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