Canon iPF im Test
 
03 MÄR 2016
Guido Classen 0 Kommentare
 

Anwenderreportage Großformatdruck

 

Einsatzbereiche und Alleinstellungsmerkmale des Großformatdruckers Canon imagePROGRAF iPF9400 

Februar 2016 - Helmut Schweighöfer, RGF-Mitglied

Der Markt der Großformatdrucker mit wasserbasierenden Tinten wird neben HP vor allen Dingen von Canon und Epson beherrscht. Die breitesten Maschinen haben 60“ (Canon und HP) bzw. 64“ (Epson) Druckbreite. In diesem Segment ist die iPF9400 von Canon eine interessante Lösung, die wir uns mal genauer angeschaut haben. 

Für Drucker mit wasserbasierenden Tinten ist auch in diesen Breiten eine große Medienvielfalt von verschiedenen Anbietern für vielfältige Applikationen und Anwendungsgebiete verfügbar. Hier steht der getestete Canon den anderen Maschinen am Markt sicher nicht nach. Selbst proofen ist mit dem iPF9400 in sehr engen Toleranzen möglich. Daher konzentriere ich mich bei diesem Test auf eine vielleicht für diese Druckbreite eher ungewöhnliche Proofanwendung, um der Druckausgabequalität unter höchsten Ansprüchen auf die Spur zu kommen. 

Der erste Eindruck
Der iPF9400 ist eine robuste Maschine und tut was sie soll. Das Gerät kommt als Frontlader und kann platzsparend an die Wand gestellt werden. Lediglich Strom- und Netzwerkanschlüsse sind von der Rückseite zu erreichen. Die Rollenhalterung ist abgeflacht, dadurch wird vermieden, dass beim Papierwechsel die Stange unkontrolliert durch die Gegend rollt. 

Canon liefert für die iPF-Serie eine Reihe kostenfreier Tools mit. Darunter so hilfreiche Utilities wie ein Verbrauchsmanager oder das Standard Media Konfiguration Tool. Diese werden, wie auch die interne Linearisierung des Druckers, beim professionellen Arbeiten über ein RIP nicht verwendet. 

Zusatzherausforderungen: Tinten- und Druckkopftausch
Im Laufe des Testes hat der Drucker mir die zusätzlichen Herausforderung gegeben, Tinten und Druckkopf zu tauschen. Der Tintentausch ist denkbar einfach. Der Austausch des Druckkopfes ebenfalls. Aber der beiliegende Handschuh sollte benutzt werden ... von den Händen ist die Tinte schnell wieder entfernt vom Hemd weniger. Und das bringt häufig Ärger in heimischer Umgebung. 

Testumgebung
Die Ansteuerung erfolgte über das RIP EFI Fiery XF. Von den beiden Ansteuerungsarten RGB und CT habe ich mich für die CMYK CT-Version entschieden. Leider gibt es keine HT-Version, die losgelöst vom Original-Treiber, noch das Letzte aus dem Gerät für kritische Anwendungen wie Backlit und Filmdruck herausholt. Die Backlit Material-Vorwahl im Druckertreiber ist nicht einsetzbar. 

Linearisierung und Profilerstellung
Mit 600x600 dpi und Druckmodus Proof Normal habe ich eine Linearisierung und anschließend ein ICC Profil erstellt. Basierend auf dem Chart it8/7.4 (1617 Patches). Bei einer mit drei Schwarztinten-Vollausrüstung erlaube ich mir den Einsatzpunkt und die Breite für Schwarz etwas zu erhöhen. 

Auswahl von Papier und Messgerät
Als Papier kam das neue ONE Proof 51 SATIN 251 zum Einsatz. Nach Lin, Profil und einer Optimierung habe ich ein sehr gutes Proofergebniss nach der neuen FOGRA51-Norm erhalten. Zum Messen kam ein Barbieri SpectroPadin Anwendung. Einer der Vorteile dieses Messgerätes ist, man braucht für M1- und M2-Messungen die Streifen nur einmal messen und nicht wie bei Xrite i1Pro2 zweimal. Hervorragende Proofqualität nach jeglicher FOGRA-Norm mit guten Delta E-Werten sind möglich. 

Kalibrierung und Spektralphotometer
Auf die interne Kalibrierung habe ich verzichtet. Das EFI RIP bietet durch Verwendung eines Spektralphotometers und einer interaktiven Nachlinearisierung genauere Möglichkeiten, ein Drucksystem auf Linie zu halten. Ergänzend lassen sich mehrere Geräte mit sehr engen Toleranzen aneinander angleichen. Die Geräte müssen nicht zwingend vom selben Modell und auch nicht vom selben Hersteller sein. Bei der Profilierung der Maschine gab es keine besonderen Schwierigkeiten. Bemerkenswert ist die hohe Stabilität bei meinem Testgerät. 

Ausgabequalität / Durchsatz / Geschwindigkeit
Die Geschwindigkeit liegt gut im Vergleich zu den Vergleichsmodellen von Epson und HP. (Wobei der neue Epson SureColor SC-P2000 noch nicht berücksichtigt werden kann.) Bei den höheren Auflösungen ist die Druckqualität auch im BiDirektionalen Modus sehr gut. Mit 300 dpi Auflösung sind lediglich geringe Einschränkungen bei der Druckausgabequalität festzustellen - der erreichbare Farbraum ist mit den Farbräumen bei höheren Auflösungen gleich und bringt keine Einschränkungen mit sich. 

Der Test: Zusätzliche Prozessfarben ermöglichen Maximum an Schmuckfarben
Dank der zusätzlichen Prozessfarben ist auch ein Maximum an Spotfarben darstellbar. Die Zusatzfarben sind allerdings aus meiner Sicht nur bedingt sinnvoll! Wir haben grundsätzlich die drei Primärfarben: Cyan, Magenta und Gelb. Aus diesen Farben werden die Sekundärfarben: Rot, Grün und Blau gemischt. So weit so gut. 

Die positive Qualitäts-Entwicklung speziell der wasserbasierender Drucker macht aus meiner Sicht die Farben Light Magenta und Light Cyan überflüssig. Nur im letzten Bereich der Foto-Ecke sind die Light-Tinten zu rechtfertigen. Anders sieht es beim Schwarz aus. Für eine perfekte Grauachse und SW-Bilder sind die drei Schwarztöne unerlässlich. 

Stein des Anstoßes: Die Farbe Blau
Durchgängig bei allen Tintenstrahldruckern schleppen die beiden Farben Gelb und Magenta von Hause aus Cyananteile mit. Dies hat beim Abmischen zu Blau und Grün sogar Vorteile. Aber bei Orange und Rot wird der Farbraum sichtbar eingeschränkt. Eine zusätzliche Primär-Farbe Rot oder Orange ist als Populär-Farbe sogar zwingend erforderlich. Über Grün lässt sich vortrefflich streiten. Aber warum um alles in der Welt braucht man Blau? Welche als Tinte gar nicht Blau ist, sondern eher violett. Außer zur Farbraumvergrößerung im Bereich einiger „exotischer“ Sonderfarben gibt es für Violett keinen Grund. Durch das bläuliche Magenta und einem ordentlichen Cyan bietet die iPF9400 Blau im Überfluss. Wenn ein zusätzliches Blau, dann bitte ein „Stahlblau“. 

Wunschvorstellung
Mein Wunsch-Drucker hätte die Farben Cyan, Magenta, Gelb, LL Schwarz, L Schwarz, Foto und Matt Schwarz und ein kräftiges Orange. In der grafischen Darstellung lässt sich der erweiterte Farbraum durch die drei zusätzlichen Primär-Farben zeigen. In meinen Test-Ausdrucken bleibt davon nur wenig übrig. Den größten sichtbaren Mehrwert bringt ein zusätzliches Orange. Wie gesehen, bei einem anderen Drucker-Hersteller. Im ersten Screenshot ist zu erkennen, dass ein zusätzliches Orange im hellen Bereichen (Luminanz 62) einen sichtbar größeren Farbraum adressiert. In diesem Screenshot ist der Vorteil von der Zusatz Farbe Rot zu erkennen. Auch im Blaubereich gibt es zwar einen messbaren Mehrwert. Dieser ist aber in den Ausdrucken kaum visuell bemerkbar, weil zu dunkel. 

Farbraumbetrachtung: Epson Stylus Pro 9900 vs. Canon iPF 9400 
Für den Vergleich stand mir der neue Epson SureColor SC-P20000 nicht zur Verfügung. Daher vergleiche ich mit der bis vor kurzem aktuellen 44“-Maschine Epson Stylus Pro 9900. 

Farbraumdarstellung ohne Colormanagement im Vergleich Epson 9900 (Rot) und Canon iPF9400 (Blau)

Der Canon stellt sehr viele Farben dar und bietet einen sehr großen Farbraum. Wer mit 60“ Breite proofen möchte, kann dies mit der iPF9400 sehr gut. In dieser Druckbreite gibt es aktuell nur den Canon der so viele Prozessfarben hat. Mit der identischen Technologie bietet Canon ja auch „schmalere“ Modelle wie den iPF8400 (44“) oder den iPF6450 (24“) an. Dennoch ist es ja auch im produzierenden Bereich nicht nur gut zu wissen, dass die Maschine einen großen Farbraum bietet und bei entsprechender Kalibrierung und Profilierung stabile, wiederholbare Ergebnisse liefert. „Leuchtende Farben“ können mit einer Profilierung zur Full-Gamut-Ausgabe sehr gut erreicht werden.




Luminanz 35: Bei beiden Geräten kamen dasselbe Messgerät und Papier zum Einsatz. Eine Änderung von Auflösungen, Passes und Materialvorwahl bringt keine nennenswerte Veränderungen. (Rote Linie Epson 9900 – Blaue Linie Canon iPF9400)




Luminanz 62: Medienkeil ohne Colormanagement ausgedruckt. Auch hier ist ein größerer Farbraum im Grün zu Gunsten des Canon zu sehen. Die fehlende Prozessfarbe Orange macht sich aber auch bemerkbar. (Rot Epson 9900 / Blaue Linie Canon iPF9400)



Als wichtig empfinde ich, dass zusätzliche Prozessfarben eher heller Natur sein sollten. So lassen sie sich mit anderen Farben in eine gewünschte Richtung abmischen. Bei dunkleren Farben geht das nicht. 

@Canon Verbesserungsvorschläge
Bei dieser Druckergröße ist eine stangenlose Halterung ähnlich wie wir sie von Epson kennen sehr wünschenswert. Jegliche Art der Papierzuführung hat ihre Vor- und Nachteile. Obwohl das Material von vorne kommt macht der Drucker es dem Bediener leicht, einfach und schnell einen Materialwechsel durchzuführen. Der Schräglagen-Korrektur sei dank. Hilfreich wäre die Möglichkeit, eine Mulde auf dem Gerät zu haben, um kurzzeitig eine Rolle Papier zwischen zu lagern. So ist man gezwungen, in der Umgebung eine Ablage zu finden. 

Eine Optimierung sehe ich in der zentralen Übersicht: Eine Info über Papiersorte, IP Nummer, Job fände ich super. Die Infos während des Druckens, wie Restzeit, Format ist OK. Optimal fände ich eine Zusatzinfo über den aktuellen Tintenverbrauch. Ein zukünftiges Gerät sollte ein ausreichend großes Touchpannel haben, damit das Knöpfe-Wirrwarr aufhört. Das Sichtfenster ist praktisch nicht vorhanden. Hilfreich wäre ein großes Fenster, damit schon frühzeitig zu sehen ist, ob er und was er druckt. 

Jetzt sieht man ein Ergebnis erst, wenn der Druck unter der Klappe hervor kommt. Das dauert den meisten Anwendern zu lange. Als sehr hilfreich empfand ich bei einem Latexdrucker, die große Frontscheibe und die Möglichkeit, einer zusätzlichen Beleuchtung am Druckkopf. 

Schade ist, dass eine Materialrückführung zum Startpunkt zum nachträglichen Eindrucken nicht möglich ist. Genau so vermisse ich die Möglichkeit, einen flexiblen Startpunkt über das Bedienfeld setzen zu können, um über die Kopfpositionierung selber entscheiden zu können, wo auf dem Medium gedruckt wird. Ein LFP der wasserbasierenden Tinten einsetzt, mit zusätzlicher Schneidefunktion á la Print and Cut, wäre in meinen Augen ein echter Quantensprung. 

Die technischen Daten
12-Farb-Tintenstrahldrucker (Breite 152,4 cm / 60“)
Canon Bubblejet on Demand - 6 Farben, integrierter Typ (6 Chips pro Druckerkopf, 2 Druckköpfe)
2.400 x 1.200 dpi Druckauflösung
4 Picoliter Tröpfchengröße
Tinte im Lieferumfang: 330 ml
Tintentanks: 330 ml oder 700 ml
http://www.canon.de/for_work/products/professional_print/large_format/ipf9400/

Mein Fazit
+ exzellenter Wasserbasierender Großdrucker
+ großer Farbraum
+ sehr guter Proofdrucker
+ gutes Display klar Strukturierte Menüführung
+ einfaches Papierhandling
+ große Tintentanks

- keine Frontscheibe
- unsinnige Primärfarbe Blau (Violett)
- lieber Orange als Rot
- keine Stangenlose Materialhalterung

Detailinformationen auf Anfrage verfügbar

Helmut Schweighöfer

 
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