28 APR 2016
Helmut Schweighöfer 0 Kommentare

Barbieri Spectro Pad: Auf dem Weg zum überzeugten Anwender

 
Kompakt, kabellos und transportabel – überzeugt das kleinste Spectralphotometer von Barbieri auch technisch?

April 2016 - Helmut Schweighöfer, RGF-Mitglied

Über die Jahre hatte ich immer wieder Berührungspunkte mit dem Barbieri Spectro Pad (BSPad). Jedes Mal bin ich grandios daran gescheitert, einen Zugang zu dem Spectralphotometer zu finden. Trotzdem war ich immer neugierig, was in diesem Gerät steckt. Schließlich ist Barbieri aus dem italienischen Südtirol ein renommierter Anbieter – bezeichnet sich selbst gar als Manufaktur.

Der Anfang
Irgendwann habe ich mir das Gerät mit der erweiterten Doc-Funktionalität dann gekauft. Nach einigen Tagen fragte mich der Lieferant aus dem RGF gut gelaunt, wie denn meine ersten Eindrücke wären? Ich bot dem verblüfften Kollegen zwei Möglichkeiten zur Antwort an, entweder er bekommt das Gerät zurück oder es zerschellt sofort an der Wand. Was war geschehen? Ich bezeichne mich selbst als Bedienungsanleitungslegastheniker. So lange wie möglich versuche ich mit meinen intellektuellen Möglichkeiten mich an die Herausforderung spontan heranzutasten. Ich muss mir allerdings selber auch eingestehen, dass das nicht unbedingt immer zielführend ist (Bitte von unangemessenen Bemerkungen abzusehen).

Grundsätzliches
Das haptische Erlebnis des Geräts spricht für sich, der Eindruck ist massiv und qualitativ hochwertig.

Es gibt darüber hinaus zwei Sichtweisen auf das Gerät. Die Eine ist das Gerät mit Bordeigener Software zu nutzen und die Andere ist die Einbindung mit einem professionellen RIP-System. Bei der Bordsoftware nutze ich im Augenblick nur die Funktion der Spotfarbenmessung. Alle anderen Funktionen, wie z.B. die Offline-Verifizierung von Messkeilen, unterstelle ich, dass sie reibungslos funktionieren. Bei meiner Anwendung stand im Vordergrund eine größere Anzahl von Druckerlinearisierungen, Profilen, Optimierungen und Verifizierungen durchzuführen. Dies alles mit dem RIP EFI Fiery XF. Der Einstieg ist easy. Dank WLAN und Akku ist ein komplett kabelloses Arbeiten möglich. Bisher hat das notwendige USB-Kabel genervt. Die Einrichtung des WLAN war schnell erledigt und auch das RIP spielte sofort mit. Bei der Menge der Messungen habe ich dann doch nicht auf das Stromkabel verzichtet.

Problemstellungen
Spätestens beim ersten ICC Profil begannen dann meine Probleme. Bei einigen Reihen musste ich dutzende Versuche durchführen, um zu einer erfolgreichen Messung zu kommen. Verschärft wurde die Situation, dass der Position-Laser mehr und mehr versagte. Die Richtung während des Messen zu korrigieren macht keinen Spaß und die Farbfeldzuordnung war permanent fehlerhaft. Bei 85 Reihen je Profil fallen einem Wörter ein, die unausgesprochen bleiben sollten. Zuerst vermutete ich den Fehler bei EFI, denn das Layout für die Messstreifen ist anders als das von Barbieri. Die Höhe der Messfelder ist bei EFI deutlich geringer und ich vermutete, dass beim Messstart das Gerät die Streifenzahl mitgemessen hat und dadurch zu der falschen Zuordnung kam. Damit nicht genug - das Gerät auf die Position des Folgestreifens zu bringen hat sich mir nur sehr zögerlich erschlossen. In den folgenden Diskussionen mit den Fachleuten war die Rede von „hinten drücken und vorne anheben“. Den Messkopf für den Vorschub aber anzuheben empfinde als keine gute Lösung. Das Gerät besitzt hinten zwei stramm sitzende Rollen die wohl den Vorschub unterstützen sollen. Auch jetzt nach dutzenden von Profilen beschleicht mich der Verdacht, dass der verantwortlichen Produktmanager nie ein Profil mit 85 oder mehr Reihen gemessen hat. Auf einen Kontakt mit einem Entscheidungsträger freue ich mich schon. Just in dieser Phase kam der Lieferant mit der oben bereits erwähnten Zufriedenheitsanfrage.

Der Durchbruch
Trotzdem, über die Zeit sind das „”BSPad”“ und ich doch Freunde geworden. Ich habe herausgefunden, dass die falsche Messfeldzuordnung daran lag, dass ich zu dicht am Farbfeldanfang die Messung gestartet habe. Wenn man mehr Anlauf nimmt, wird nahezu fehlerfrei gemessen. Heute saust das Messgerät über die Streifen, dass es nur so eine Freude ist. Auch für den Weitertransport zum nächsten Streifen habe ich mir einen Workaround erarbeitet. Nicht optimal aber machbar. Zum versagten Positionslaser habe ich hilfreichen Support von Barbieri bekommen. Und siehe da – es funktioniert. Es gibt noch echte Lichtblicke: Beim Kontakt zu Herstellern steht es nicht immer im Vordergrund, dem Kunden zu vermitteln, dass er lästig ist und ihn dann mit Warteschleifen und durch inkompetente Mitarbeiter abwimmeln zu wollen.

Das Barbieri Spectro Pad hat es trotz der Schwierigkeiten geschafft, zu meinem Standard-Messgerät aufzusteigen. Nur für die Profilierung meines neuen Monitor musste ich wieder ein i1 hervorholen.

Das Alleinstellungsmerkmal
Da ich nach wie vor im Proofing-Umfeld unterwegs bin, nutze ich den riesigen Vorteil des “BSPad”, dass für M1- und M2-Messungen (für FOGRA51/52) die Steifen nur einmal gemessen werden müssen und nicht wie beim i1Pro2 zweimal. Leider ist es mir nicht gelungen, auf der Barbieri Homepage diesen Vorteil der Messtechnologie und die Begründung dazu zu finden. Wie kann es sein, dass ein Unternehmen diesen Vorteil verschweigt? Auch der Vergleich zu druckerinternen Messgeräten und welche Vorteile ein externes Gerät hat, wird warum auch immer verschwiegen.

Zu den Messergebnissen
Mehr als zehn Jahre i1 machen einen unflexibel. Trotzdem ist meine Empfindung, dass das “BSPad” sensibler misst. Gerade im aktuellen Fall, wo das Papierweiß durch die FOGRA51/52 eine Renaissance erfährt, gibt es zwischen den Messgeräten erheblich Unterschiede. Jetzt kommt die spannende Frage - was wird gemessen? Es kamen bei meinem Test vier Spectralphotometer zum Einsatz. Ein i1Pro, i1Pro2, Konica Minolta’s FD-5 BT und eben das Barbieri Spectro Pad. Mit dem i1Pro sind nur Werte im M0 Modus möglich. Alle anderen Geräte messen die Modi M0, M1, M2. Das Konica Minolta Gerät haben mir die Kollegen aus dem RGF von Faber aus Krefeld zur Verfügung gestellt. Mit meinem Epson Stylus Pro 7900 auf einem ONE Proofpapier habe ich den Medienkeil ohne Farbmanagement ausgegeben. Der Drucker hat mit den zusätzlichen Primärfarben Grün und Orange einen beeindruckenden Farbraum. In die engere Wahl kamen die Farben Cyan, Magenta, Yellow, Schwarz, Papier Weiß, Grau, Orange, Grün und die Spotfarbe „Mon Cherie“. Im Anhang sind alle gemessene Lab-Werte dokumentiert. Ohne sich jeden Wert im einzelnen anzusehen kann ich sagen, dass die i1s und das KM-Gerät eine Familie sind. Das Barbieri misst anders - nicht zwingend farbiger. Bei knalligen Grün und Orange wird sogar eher weniger Farbe gemessen. Aber das Papierweiß über M0, M1 und M2 ist der Hit. Im Vergleich gibt es hier die größten Unterschiede. Ich behaupte, das Spectro Pad ist feinfühliger und differiert die verschiedenen Eigenschaften größer. Schauen sie sich die Werte an!

Fazit
Zu professionellen Ergebnissen kommt man mit allen Geräten. Ich beziehe mal die Inline-Lösungen von Epson und Canon mit ein. Trotzdem ist das Barbieri Spectro Pad mein Favorit geworden. Wer wie ich sehr RIP orientiert arbeitet, kann auf die DOC-Funktion verzichten und kommt dadurch bei der Anschaffung finanziell näher an das i1 ran. Für strukturierte Materialien ist die 6mm Blende optimal. Nur hat man permanent sehr große Charts und zur Proofverifikation muss der IDEAliance Chart mit 84 Feldern benutzt werden. Bei 7 Reihen erreicht er als Kontrollkeil fast die gleiche Größe wie ein gedrucktes A4 in Querformat.

Ich fasse noch einmal zusammen: Das Barbieri Spectro Pad ist im Digitaldruckumfeld ein ideales universelles Gerät. Vom Profilieren von strukturierten Oberflächen durch die 6mm Blende bis hin zum High End Proofing macht das Gerät eine sehr gute Figur. Klarer Vorteil die M1 und M2 Messungen mit einem Rutsch. Durch WiFi weniger Kabelsalat. Ein Kabel stört immer – auch wenn das Gerät Pause hat. Wenn man erst mal weiß wie, ist ein schnelles und sicheres Messen möglich.

Es ist nicht alles Gold was glänzt
Der Einstieg könnte aber leichter sein und ich bleibe bei aller Liebe dabei, dass der Zeilenvorschub eine Katastrophe ist. Das zu messende Material verrutscht. Die waagerechte Positionierung ist auch mit Laser nicht einfach. Die Transportrollen wenigstens an meinem Gerät sind zu schwergängig. Wo kann oder soll man heben und drücken um an die nächste Zeile zu kommen? Das hat sich mir nach wie vor noch nicht erschlossen. Aber das Wichtigste ist meiner Meinung nach das für Barbieri-Verhältnisse schlechte Image des Gerätes. In vielen Gesprächen wird das unpraktische Handling kritisiert und ich treffe oft auf totales Unverständnis wenn ich inzwischen das Gerät in Schutz nehme und seine Vorzüge preise.

Richtungsweisende Messtechnologie
Aber das SpectroPad ist inzwischen mein ständiger Begleiter geworden und ich sehe im Moment keine Alternative am Markt, die bei allen Kritikpunkten mit ähnlich wichtigen Features aufwarten, wie z.B. die kabellose Nutzung die M0/M1-Messung in einem Arbeitsschritt, die sensiblere Messlogik und große Messöffnung in dieser Preisklasse.

Helmut Schweighöfer

 
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